Thesaurierend oder ausschüttend: Welcher ETF-Typ ist besser
Thesaurierend oder ausschüttend — bei der Wahl des richtigen ETF-Typs gehen Meinungen auseinander. Beide Varianten haben ihre Berechtigung, abhängig von Anlageziel, Steuersituation und persönlicher Präferenz. Was genau der Unterschied ist und welcher Typ für wen sinnvoller ist, erklären wir hier.
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Thesaurierend vs. ausschüttend: Der entscheidende Unterschied
| Merkmal | Thesaurierender ETF | Ausschüttender ETF |
|---|---|---|
| Dividenden/Zinsen | Werden reinvestiert (automatisch) | Werden ausgeschüttet (aufs Konto) |
| Zinseszinseffekt | Optimal (kein Steuerverlust durch Ausschüttung) | Verzögert (Ausschüttung muss manuell reinvestiert werden) |
| Steuer jährlich | Vorabpauschale (oft gering) | Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen sofort fällig |
| Steuer beim Verkauf | Abgeltungsteuer auf Gesamtgewinn | Abgeltungsteuer auf Gesamtgewinn (Ausschüttungen bereits versteuert) |
| Cashflow | Kein regelmäßiges Einkommen | Regelmäßige Einnahmen |
Steuerlich sind thesaurierende ETFs für den Vermögensaufbau vorteilhafter: Statt bei jeder Ausschüttung Steuern zu zahlen, werden Dividenden direkt reinvestiert. Die Steuer fällt erst beim Verkauf an. Über Jahrzehnte summiert sich dieser Steuerstundungseffekt zu erheblichen Mehrrenditen.
Vorabpauschale: Die Steuer auf thesaurierende ETFs
Seit 2018 erhebt das Finanzamt auf thesaurierende Fonds eine jährliche Vorabpauschale. Diese fiktive Besteuerung eines Mindestwachstums soll die vollständige Steuerstundung verhindern:
- Berechnung: Basiszins (festgelegt jährlich vom BMF) × 70 % × Fondswert zu Jahresbeginn
- 2024: Basiszins 2,29 % → Vorabpauschale je 10.000 Euro ETF ca. 40 Euro Steuerbasis
- Maximal: Die Vorabpauschale ist auf die tatsächliche Wertsteigerung begrenzt
- Freistellungsauftrag: deckt die Vorabpauschale oft vollständig ab
Für die meisten Privatanleger mit einem Freistellungsauftrag von 1.000 Euro ist die Vorabpauschale kein relevantes Problem — der Pauschbetrag reicht für moderate ETF-Bestände aus.
Empfehlung: Wann welcher Typ?
Die Entscheidung hängt von der persönlichen Situation ab:
- Vermögensaufbau (langfristig): Thesaurierend — Zinseszinseffekt ungestört, Steuern erst beim Verkauf
- Renteneinkommen / Cashflow: Ausschüttend — regelmäßige Einnahmen ohne Verkauf von Anteilen
- Freistellungsauftrag ausschöpfen: Ausschüttend — Dividenden nutzen den Sparer-Pauschbetrag effizient
- Juniordepot für Kinder: Thesaurierend — kein Bedarf an laufendem Cashflow, maximaler Zinseszins
Für den Klassiker — einen MSCI-World-ETF im Sparplan — sind thesaurierende Varianten mit irischem Domizil (IE00…) für deutsche Langfristanleger in der Regel steuerlich und renditeseitig optimal.
Häufige Fragen
Was bedeutet thesaurierend bei einem ETF?
Ein thesaurierender ETF reinvestiert Dividenden und Zinsen automatisch. Das Kapital im ETF wächst dadurch ohne manuelle Aktion, und die Steuern auf die Erträge fallen erst beim Verkauf an.
Was bedeutet ausschüttend bei einem ETF?
Ein ausschüttender ETF zahlt Dividenden und Zinsen regelmäßig (quartalsweise oder jährlich) auf das Depotkonto aus. Der Anleger erhält echten Cashflow, zahlt darauf aber sofort Abgeltungsteuer.
Welcher ETF-Typ ist steuerlich besser?
Für langfristigen Vermögensaufbau ist der thesaurierende ETF meist vorteilhafter: Die Steuerstundung auf reinvestierte Erträge erhöht durch den Zinseszinseffekt die Nettorendite über Jahrzehnte.
Was ist die Vorabpauschale?
Die Vorabpauschale ist eine fiktive jährliche Mindestbesteuerung auf thesaurierende Fonds, die seit 2018 gilt. Sie soll die vollständige Steuerstundung begrenzen. Bei moderaten ETF-Beständen wird sie vom Freistellungsauftrag oft vollständig abgedeckt.
Kann ich von thesaurierend auf ausschüttend wechseln?
Ein Wechsel des ETF-Typs ist nur durch Verkauf des alten und Kauf des neuen ETF möglich — dabei fällt Abgeltungsteuer auf die aufgelaufenen Gewinne an. Viele Anleger halten daher an ihrer ursprünglichen Wahl fest.
Weiterführende Informationen: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)


